Du kannst noch. Aber du willst so nicht mehr.
Du funktionierst. Du trägst Verantwortung. Du bekommst die Dinge hin. Und vielleicht ist genau deshalb so schwer zu erklären, was eigentlich nicht stimmt. Denn du bist nicht zusammengebrochen. Vielleicht bist du nicht einmal unglücklich. Aber du bemerkst diese kleinen Momente:
Du willst Nein sagen — und sagst Ja. Du möchtest Hilfe — und machst es doch selbst. Du spürst, was du eigentlich willst — und erklärst dir Sekunden später, warum es nicht geht.
Vielleicht bist du nicht müde von deinem Leben. Vielleicht bist du müde davon, wer du darin immer sein musst. Dafür hatte ich lange kein Wort. Also habe ich eines gesucht.
In meiner eigenen Geschichte und in meiner Arbeit mit Führungskräften und Unternehmer:innen begegnete mir immer wieder derselbe Widerspruch: Menschen, die viel können, die erfolgreich sind, die ihr Leben im Griff haben — und die trotzdem irgendwann sagen: „Eigentlich ist alles gut. Aber irgendwie will ich so nicht mehr."
Ich begann mich zu fragen, was passiert, wenn die Eigenschaften, die uns weit gebracht haben, irgendwann zu Regeln darüber werden, wer wir glauben sein zu müssen. Daraus entstand: Identity Fatigue.
Dieses Buch schaut auf die leisen Dinge. Nicht erst auf den großen Zusammenbruch, sondern auf das, was lange davor passiert: Auf die Arbeit neben der Arbeit. Auf den unsichtbaren Zaun. Auf die Millisekunde, in der wir spüren, was wir eigentlich wollen — und uns fast gleichzeitig darüber hinwegsetzen. Auf den Zinseszins der Selbstverleugnung.
Vor allem aber geht es um eine andere Frage: Was darf heute für mich gelten?