Wir haben erstaunlich viel Angst davor, andere zu enttäuschen und erstaunlich wenig davor, uns selbst zu enttäuschen.

Den Chef.

Den Partner.

Die Eltern.

Menschen, die etwas von uns erwarten.

Also sagen wir Ja.

Bleiben noch ein bisschen.

Übernehmen es doch selbst.

Verschieben, was wir eigentlich wollten.

Denn wenn wir jemand anderen enttäuschen, bekommen wir möglicherweise sofort eine Reaktion.

Einen Blick.

Eine Nachricht.

Ein:

„Ach so.“

Zwei erstaunlich wirkungsvolle Wörter.

Wenn wir uns selbst enttäuschen, passiert meistens – nichts.

Kein Konflikt.

Keine Erklärung.

Nur ein kurzes:

Eigentlich wollte ich …

Dann geht der Tag weiter.

Die teuersten Entscheidungen sehen nicht immer wie Entscheidungen aus

Wir denken bei Lebensentscheidungen an die großen Dinge:

Kündigen.

Umziehen.

Trennen.

Gründen.

Aber vielleicht entsteht unser Leben viel häufiger in Entscheidungen, die so klein sind, dass wir sie kaum bemerken.

Heute nicht.

Vielleicht nächstes Jahr.

Ich mache es noch schnell.

Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt.

Einmal ist das nichts.

Aber Wiederholung hat eine interessante Eigenschaft:

Sie braucht keinen großen Moment, um irgendwann ein großes Ergebnis zu erzeugen.

Wir rechnen die Kosten der Veränderung. Aber selten die Kosten des Bleibens.

Wenn wir etwas verändern wollen, werden wir plötzlich hervorragende Risikomanager.

Was verliere ich?

Was könnte schiefgehen?

Was denken die anderen?

Was, wenn ich es bereue?

Legitime Fragen.

Nur eine fehlt erstaunlich häufig:

Was kostet es mich, wenn ich nichts verändere?

Heute ist Bleiben vielleicht günstiger.

Aber in einem Jahr?

In fünf?

Was kostet es, immer wieder etwas nicht auszusprechen?

Einen Wunsch zu verschieben?

Eine Rolle weiterzuführen, die längst nicht mehr richtig passt?

Die Kosten der Veränderung stehen meistens ziemlich deutlich auf der Rechnung.

Die Kosten des Bleibens laufen gerne unter Sonstiges.

Das bedeutet nicht: Enttäusche einfach alle.

Wäre praktisch.

Vermutlich aber ein ziemlich kurzer Coachingansatz.

Natürlich zählen andere Menschen.

Wir tragen Verantwortung. Beziehungen brauchen Rücksicht. Nicht jeder Wunsch muss sofort umgesetzt werden.

Mich interessiert nur eine Frage:

Warum bekommt die mögliche Enttäuschung anderer manchmal automatisch mehr Gewicht als unsere eigene?

Vielleicht sollten wir deshalb bei der nächsten Entscheidung nicht nur fragen:

Wen könnte ich enttäuschen, wenn ich das tue?

Sondern auch:

Wen enttäusche ich, wenn ich es nicht tue?

Manchmal lautet die Antwort:

Mich.

Das bedeutet noch nicht, dass du dich für dich entscheiden musst.

Aber vielleicht solltest du wenigstens mit am Tisch sitzen, wenn über dein Leben entschieden wird.

Ein Gedanke, der vielleicht noch ein bisschen bei dir bleibt.

In unregelmäßigen Abständen schreibe ich über Erfolg, Identität, Veränderung und die kleinen Dinge, die unser Leben stärker bestimmen, als wir manchmal merken. Neue Essays, Beobachtungen und Gedanken direkt in dein Postfach.

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Warum sich Veränderung so schwierig anfühlt – selbst wenn du sie willst

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Was bedeutet Identity Fatigue?